Wie lange dauert eine Minute für ein Tier?

Die Wahrnehmung von Zeit ist nicht bei allen Arten gleich. Neurowissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Tiere Reize mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verarbeiten, was sich darauf auswirken kann, wie sie die Dauer von Stress, Wartezeiten oder Schmerzen empfinden.

Beim Menschen ist die Zeitwahrnehmung subjektiv und kann sich im Laufe des Lebens verändern. In der Kindheit werden Zeiträume meist als länger empfunden, während sie im Erwachsenenalter eher als kürzer wahrgenommen werden. Die Zeiterfahrung ändert sich zudem je nach den Umständen. In Situationen der Eingeschlossenheit oder unter Stress werden Zeiträume oft als länger empfunden, während sie in Situationen, die mit Wohlbefinden oder Vorfreude verbunden sind, eher als kürzer empfunden werden.

Im Jahr 2020 veröffentlichte das Forschungszentrum „Rethink Priorities“ den Bericht „Subjective Experience of Time and Its Implications for Animal Welfare“ (Subjektive Zeiterfahrung und ihre Auswirkungen auf das Tierwohl), in dem untersucht wird, wie sich Unterschiede in der Zeitwahrnehmung zwischen verschiedenen Arten auf die Bewertung des Tierwohls auswirken könnten. Dem Bericht zufolge könnte eine schmerzhafte Erfahrung aus der Perspektive eines Tieres eine größere Anzahl von Leidensmomenten bedeuten, wenn dieses Tier innerhalb desselben chronologischen Zeitraums mehr „subjektive Momente“ erlebt.

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Laut „Your Pets Daily“ werden Hauskaninchen in der Regel zwischen acht und zwölf Jahre alt, und manche erreichen bei guter Pflege sogar ein Alter von vierzehn Jahren oder mehr. Diese Lebenserwartung steht im Gegensatz zur Realität vieler Versuchstiere, deren Leben in der Regel deutlich kürzer ist.

Aus dieser Perspektive berücksichtigt die Analyse des Tierschutzes nicht nur die Intensität des Leidens, sondern auch dessen Dauer und die tatsächlichen Möglichkeiten des Tieres, dieses Leiden zu beenden. Die Bewertung dieser zeitlichen Dimension ermöglicht es, die Auswirkungen des Leidens auf den gesamten Lebensverlauf zu verstehen.

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Vor diesem Hintergrund wird die Dauer des Leidens zu einem wichtigen Faktor bei der Bewertung des Tierwohls. Die Verlängerung von Situationen der Eingeschränktheit oder Entbehrung bedeutet nicht nur, einen widrigen Zustand aufrechtzuerhalten, sondern auch, die damit verbundene subjektive Erfahrung zeitlich zu verlängern. Auch wenn der Schaden nicht immer sichtbar ist, können seine Auswirkungen erheblich sein.

Die Berücksichtigung der Dauer einer Erfahrung und ihres Anteils an der Lebenserwartung der jeweiligen Tierart erweitert den traditionellen Rahmen, anhand dessen die Lebensbedingungen und das Wohlergehen der Tiere bewertet werden.

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Das Verständnis dafür, wie verschiedene Arten Zeit erleben, ermöglicht es, die Analyse der Lebensbedingungen von Tieren zu erweitern. Über die chronologische Dauer hinaus regt die Betrachtung der subjektiven Zeiterfahrung dazu an, darüber nachzudenken, wie Situationen der Eingeschlossenheit, des Stresses oder des Schmerzes aus der Perspektive derjenigen, die sie erleben, eine andere Dimension annehmen können. Die Einbeziehung dieses Ansatzes in die Diskussion über das Tierwohl trägt dazu bei, umfassendere Bewertungen der tatsächlichen Auswirkungen dieser Erfahrungen auf das gesamte Leben der Tiere zu entwickeln.

Wer sich näher mit diesem Thema befassen möchte, ist herzlich eingeladen, den Artikel „Haben Tiere ein Bewusstsein?“ zu lesen.

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